Dr. Reinhard Marx

Nicht die reale Herkunft des Volkes aus vorgeschichtlicher Zeit bestimmt das Gesamtbild des Staates, sondern die in ihrer befreienden und versöhnenden, die Last des vergangenen Daseins auslöschenden Abstraktheit und begrifflichen Würde bewusst festgehaltene Idee des Rechts. Der Staat als Vertrag im Sinne der Übereinkunft zwischen freien Bürgern ist spezifisch westliches Ideal. In seinem Ursprung steht die Umwertung des Menschen zum civis. Seine Substanz ist ein tägliches Plebiszit. Seine Grundform ist Gesellschaft als die im Bindeglied des Rechts und streng beobachteter Gewohnheiten verkehrende Einheit von Bürgern. Wer sich zu ihm bekennt, gehört zu ihm.
(Helmuth Plessner)

Reinhard Marx, Jahrgang 1946, geb. in Paderborn, ist seit 1983 beim Landgericht Frankfurt am Main als Rechtsanwalt zugelassen. Schwerpunkt seiner anwaltlichen, publizistischen und Dozententätigkeit ist das Ausländer-, Asyl- und Flüchtlingsrecht sowie das Staatsangehörigkeitsrecht. Daneben ist Reinhard Marx sowohl praktisch und publizistisch wie auch politisch im Bereich des Menschenrechtsschutzes aktiv.
Leitbild für die anwaltliche Tätigkeit ist ein konkretes menschenrechtliches Verständnis. Die Betreuung von Migranten, Asylsuchenden und Flüchtlingen ist aktive Durchsetzung des völkerrechtlichen Menschenrechtsschutzes. Zentrales Anliegen der anwaltlichen Tätigkeit ist Schutz der Mandanten und Mandantinnen. Zugleich muss die konkrete Einzelfallarbeit in die übergreifende politische und internationale Entwicklung eingeordnet werden. Deshalb ist Reinhard Marx seit Beginn seines Studiums 1974 bis heute nicht nur in der konkreten Betreuung von Migranten und Flüchtlingen aktiv, sondern auch in vielfältiger Weise publizistisch, als Dozent und rechtspolitisch national und international insbesondere in aufenthalts- und asylrechtlichen, aber auch im menschenrechtlichen Bereich tätig.

Vor Aufnahme des Studiums im Jahre 1974 in Hamburg war Reinhard Marx von 1964 bis 1968 Militärmusiker (Klarinette) bei der Bundeswehr in Hamburg und von 1968 bis 1973 Polizeibeamter bei der Schutzpolizei in Hamburg. Von 1971 bis 1973 besuchte er zugleich das Abendgymnasium und schloss dieses 1973 mit dem Abitur ab. 1977 wurde er als Kriegsdienstverweigerer anerkannt. Nach dem ersten Staatsexamen promovierte er 1984 an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität am Fachbereich Rechtswissenschaften bei Prof. Dr. Erhard Denninger über den asylrechtlichen Begriff des Politischen.

Bereits während des Studiums betreute Reinhard Marx ehrenamtlich bei amnesty international Asylsuchende und Flüchtlinge. Er war von 1976 bis 1978 im Vorstand der deutschen Sektion von amnesty international für die Flüchtlingsarbeit zuständig und baute in dieser Zeit die Betreuungsstruktur der deutschen Sektion für Flüchtlinge auf.

Reinhard Marx war von 1983 bis 1987 Vorsitzender der deutschen Sektion von amnesty international und hat von 1976 bis 1999 als Delegierter der deutschen Sektion an zahlreichen internationalen Ratsversammlungen (Parlament von amnesty international) teilgenommen und ist bis heute innerhalb der Organisation im Bereich der Fortentwicklung des völkerrechtlichen Menschenrechtsschutzes aktiv. Er hat für den Generalsekretär der internationalen Organisation von amnesty international bereits 1979 und 1989 Studien zum internationalen Flüchtlingsrecht sowie zur Staatenpraxis durchgeführt. Darüber hinaus ist er seit Anfang der 1990er Jahre für die internationale Organisation European Council on Refugees and Exiles in beratenden Gremien aktiv. Auf Einladung des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen nahm er an der Global Consultation on International Protection im Jahre 2001 teil.